Spizy Nailz For Spizy Babez

TEXT – KATHARINA GLÜCK / FOTOGRAFIE – MAREN NORDTOP LARSEN

Ob bei Cardi B oder Shirin David, lange auffällige Nägel sind Trend. Chunky Gems und viel Bling Bling der Nagel reicht. Ein Kunstwerk auf den Nägeln. Sarah Plötz ist angehende Nail Designerin und hat Nail Art für sich entdeckt, nachdem sie in die Hauptstadt gezogen ist. Die 24-Jährige erzählt von ihren Anfängen in der Branche und wie sie den Sprung vom Arbeiten im Kinderheim zum Designen von langen Gelnägeln geschafft hat. 


Nail-Designerin bin ich durch Zufall geworden. Alles hat mit einem Amazon-Gutschein über 200€ angefangen. Damit habe ich das ganze Equipment für meine Nail Art gekauft. Ich habe einfach losgelegt und einer Freundin in Berlin an meinem Couchtisch die ersten Nägel gemacht. Das Ergebnis war echt gut. Da lagen die Anfänge von SpizySugaNailz. Mein ganzes Leben kann ich mit dem Machen von Nägeln leider noch nicht finanzieren. Um wirklich alles abgedeckt zu haben, müsste ich schon vier bis fünf Sets am Tag schaffen. Das ist ziemlich viel, da jedes Set auch immer lange dauern kann. Jetzt wo ich geübt bin, brauche ich ungefähr drei Stunden für ein Set. Davor müssen wir noch über das Design sprechen. Ich habe schon zwei Stunden damit verbracht, nur über das Design zureden. Ich spreche immer offen mit meinen Kunden und sage ihnen auch, wenn ich finde, dass ein anderes Design besser aussehen würde. Richtige Beratung ist in meinen Augen extrem wichtig. Wenns mir nicht richtig gefällt, dann mach ich’s auch nicht gerne. Natürlich habe ich einen anderen Stil, aber wenn ich nicht ganz dabei bin, wird’s auch nicht so geil. Nägel machen kann man sich ein bisschen wie tattoowieren vorstellen. 

„Meine Nails sind meine Handschrift und ich möchte keine einfache Handschrift haben, ich möchte eine mit Punkten und Herzchen obendrauf.”

Mein größtes Ziel ist es, mein Nail-Design so weit zu bringen, dass ich davon leben kann. Es gibt kleine Studios die Gel-X praktizieren, da würde ich später gerne arbeiten. Im Moment mache ich alles noch bei mir zuhause, das wird mir auf Dauer einfach zu persönlich. Ich lasse nicht viele Leute zu mir nach Hause, meistens sind es nur Freunde. Freunde von Freunden sind okay, aber komplett fremde Leute lasse ich nicht rein. Ich liebe es, dass es beim Designen von den Nägeln kein Ende gibt, was die Kreativität betrifft. Mein Ziel ist es so extravagante Nails zu machen wie in Amerika, sowas habe ich in Deutschland kaum gesehen. Mein erstes Set habe ich schon direkt in diesem Stil angefangen, da hat das Ganze noch sieben Stunden gedauert. Zum Glück haben sich meine Freunde geopfert und ich durfte fleißig an ihnen üben. Am liebsten mag ich es mit Gems zu arbeiten, also einfach alles damit zu bekleben. Ich liebe es, wenn die Nägel glitzern. Manchmal kommen Leute zu mir und sagen: Freestyle einfach das Set. Oder sie geben mir elf Farben, dann mache ich etwas damit. Dadurch entstehen auch einfach die besten Sets. Seitdem ich klein bin, stehe ich ich total auf extra viele Details. Mit zwölf Jahren bin ich das erste Mal ins Nagelstudio gegangen und habe mir meine Nägel machen lassen. Mit 15 waren sie schon lang und extrem. Die meisten Nagelstudios haben sowas nicht designt und das hat mich traurig gemacht. Ich hatte immer so viele Ideen im Kopf und hatte gehofft, dass diese im Nagelstudio umgesetzt werden würden, aber so war es meistens nicht. Deswegen habe ich auch direkt mit solchen Nails angefangen. Berlin ist dafür der perfekte Ort, da man hier seine Kreativität vollkommen ausleben kann. 

Dass ich so früh angefangen habe, meine Nägel zu machen, fanden meine Eltern nicht immer gut. Vor allem meine Mutter hasst so lange Nägel. Jetzt wo ich sie selber mache, unterstützt sie meine Arbeit total. Ich sehe bei ihr auf Instagram immer wieder, wie sie Screenshots von meinen Stories in ihrem Feed postet.






Früher war das Problem, dass sie sich darüber Gedanken gemacht hat, was meine Lehrer oder spätere Arbeitgeber von mir denken. Aber mir war schon immer egal, was andere Leute sagen. Es war nur auffällig, dass ich nie richtig ernst genommen wurde. Das war bei meiner Ausbildung bei Douglas so. Ich habe mich wirklich versucht anzupassen. Da hieß es: nicht zu viel oder zu wenig Make up, nicht zu lange Nägel, nur schwarze Klamotten, aber dann waren meine schwarzen Sachen auch nicht richtig. Es gab immer irgendein Problem. Danach habe ich für ein Jahr ein FSJ im Kinderheim gemacht. Leider gab es im Kinderheim auch ein paar Probleme wegen meines Aussehens. Ich wäre den Kindern ein falsches Vorbild, was natürlich nicht stimmte. Ich stehe immer noch in Kontakt mit den Kindern, wir schreiben über WhatsApp oder ich besuche sie. Selbst von den Kindern, die zurück zu ihren Eltern gezogen sind, höre ich manchmal noch.

„Meine Antwort auf solche Fragen war immer, dass ich mal Prinzessin werden möchte.”

MODEL – THOM / MAKEUP – ANASTASIA BOUKLI / NAILS – SARAH PLÖTZ


Einen genauen Plan für meine Zukunft hatte ich früher nie so richtig. Meine Antwort auf solche Fragen war immer, dass ich mal Prinzessin werden möchte. Mich haben allerdings schon immer kleine Details interessiert. Mit acht wollte ich bauchfrei und mit langen Nägeln rumlaufen, ich war schon damals ein bisschen extra. Dann kam mir die Idee mit den Nägeln und dabei werde ich auch bleiben.