Laetitia de Prato – A modern Fairytale

Ob es manchmal schwer ist? Ja.
Ob sie den Weg nochmal so gehen würde? Absolut!

Ein modernes Märchen, in dem Aschenputtel seine eigenen Schuhe entwirft. Vom Knöpfe sortieren, hin zum Schneidern eines Korsetts für Popstar Raye. Das ist Laetitia De Prato – eine aufstrebende Self-Made-Designerin. Was sich hinter dem Glamour der Haute-Couture-Welt verbirgt und was passiert, wenn da kein Prince Charming ist, der einem den Schuh durchs ganze Königreich hinterher trägt, erzählt sie in einem Gespräch.


Es war einmal ein talentiertes Mädchen, das gerne zeichnete. Noch konnte sie nicht ahnen, dass aus diesem Talent einmal eine ganze Karriere werden sollte.

Es ist 9:15 Uhr und durch ein verpixeltes Bild auf Google Meet erscheint Laetitia de Prato aus Paris auf dem Bildschirm und erzählt von ihrer Mode, ihren Träumen und Plänen und ihrem Werdegang.

Mit ihrer Mode hat die junge Designerin eine echte Marktlücke in der Berliner-Branche gefunden. Anfänglich ließ sich die Mode ihrer ersten Kollektion LUCE als fließend und weich beschreiben. Sie arbeitete viel mit natürlichen Farben und Materialien, wie Kaffee und Tee, um damit Stoffe beige und braun zu färben. Zwei Einteiler der Kollektion entstanden zum Beispiel jeweils aus zwanzig Meter Baumwollkordel, welche sie aufrupfte und drapierte. Selbst beschreibt sie ihre Marke als genderfluid. Sie hat sich zwar mit ihrer Bachelor-Kollektion LUCE auf Womenswear fokussiert, aber sagt über ihre Entwürfe: „Wenn du es tragen willst, dann trag es einfach”. Für ihre Show ließ sie dann auch sowohl drei männliche und drei weibliche Models laufen.

Gerade kooperiert sie mit der Künstlerin Stella Winter, insgesamt sollen sieben Designs entstehen. Einige von ih- nen kann man sich bereits auf Instagram anschauen. Durch die lauten und farbenfrohen Bilder der Künstlerin werden auch die Entwürfe etwas bunter, wilder und gleichzeitig alltagstauglicher.

Eine Baggy-Patchwork-Jeans, ein Faltenrock und ein Korsett sind aus Denim, ein kurzer Rock und ein luftiges Oberteil fertigte sie aus einem meshartigen Stoff an. Das alles ist praktischer als ein Einteiler aus Seil aus der ersten Kollektion.

Let’s rewind. Einen Mo- nat bevor ihr Jura-Studium beginnen sollte, entdeckte sie die Modehochschule in Wiesbaden und entschloss sich dazu, alle ihre Pläne über Bord zu werfen und Modedesign zu studieren. Dass viele ihrer Kinderbilder eigentlich eher Modeskizzen waren, merkte sie erst sehr viel später. An der Akademie für Mode und Design lernte sie schließlich das nötige Handwerk, um diese Skizzen in echte Kleidung umzuwandeln. Nach zwei Semestern zog die gebürtige Mainzerin nach Berlin um und führte dort ihr Studium fort. Bei ihrem Praktikum in London bei Suzie Turner lernte sie auch aufwendige und filigrane Couture-Stiche kennen, die sie auch selbst für ihre Designs einsetzt.

Nach der Präsentation der Bachelor-Kollektion kommen die Erfolge Schlag auf Schlag. Das Highlight: eine Anfrage der Stylisten von Pop-Star Raye, Sängerin des Liedes Escapism, für eine Zusammenarbeit für einen Shoot für das TUSH Magazin. Das Korsett dafür entstand in der Kooperation mit Winter. Außerdem wurde De Prato im Sommer für den German Design Award 2024 als Newcomer nominiert. Im vergangenen Dezember waren ihre Entwürfe Teil eines Dinners, welches die Plattform PLATTE.BERLIN organisierte. In diesem Jahr stellt sie sogar eine Praktikantin ein.

Hinter der glamourösen Fassade von Fashion Shows, Fotoshootings und Kooperationen mit Musiker*in- nen und Künstler*innen steht die Arbeit einer selbst disziplinierten jungen Frau. In Berlin hatte sie zwei Nebenjobs, um sich Wohnung, Praktikum, Leben und die eigene Marke zu finanzieren. Beim Praktikum in London waren es die zahllosen Überstunden, die sie schließlich zur persönlichen Assistentin der Designerin machte.

Ohne jemanden zu kennen, zog sie dann von heute auf morgen nach Paris, wo sie nun mit demselben Fleiß weiterarbeitet. Dabei schaut sie nie in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. In der steht an: Sich in Paris zu etablieren und eventuell ein Semester in Italien zu verbringen, um dort ihr Handwerk zu erweitern. Ob es manchmal schwer ist? Ja. Ob sie den Weg nochmal so gehen würde? Absolut.

Nach einigen Inter- net-Abstürzen und einem anderthalbstündigen spannenden Gespräch verabschiedet sich Laetitia De Prato aus dem Gespräch.

Und wenn man sie nach ihrem Happy End fragt: Sitzt sie in London, umzingelt von ihrem talentierten Team und entwirft Haute- Couture-Kleider.