DISCOVERING BERLIN BRANDS

TRISTAN BRENNWALD

INTERVIEW MIT LUIS SCHÖLL

Copyright by David Lamb

Ohne Modestudium oder Ausbildung hat der Designer hinter BRENNWALD sein Label gegründet und früh internationale Aufmerksamkeit erlangt. Im Interview spricht Tristan Brennwald über die Fehler, die er dabei gemacht hat, über Literatur als Inspirationsquelle und darüber, wieso er seine Show nicht während der Berlin Fashion Week hat stattfinden lassen.

Du hast ohne eine Ausbildung oder ein Modedesign- Studium dein Modelabel gegründet – woher hast du den Mut genommen?

Ich habe früh angefangen und ohne ein Studium an einer Modeschule habe ich relativ schnell nach dem Abitur schon erste kleine Erfolge gefeiert: Erste Verkäufe und dann meine Debüt-Show in Wien. Das hat mich motiviert, meinen eigenen Weg zu finden und dadurch im besten Falle eine unabhängi- ge Perspektive zu entwickeln. Dass viele Modedesigner, zu denen ich aufblicke, auch kein formelles Training hatten, hat mich bei der Entscheidung bestärkt.

Wie ist die Idee für dein Label Brennwald überhaupt ent- standen?

Ich hatte schon immer ein großes Interesse an Mode, aber nicht das Budget, mir die Stücke zu leisten, die ich gut fand. Die viele Freizeit während des ersten Covid-Lockdowns habe ich genutzt, um mir das Nähen selbst beizubringen – und so wurde aus der Not eine Tugend.

Würdest du genauso einfach wieder ins kalte Wasser springen?

Noch ist es zu früh, um ein finales Urteil zu fällen. Für die eigene Entwicklung ist es gesund, jeden Fehler wirklich selbst zu machen und ich denke, dass mir das geholfen hat, eigene Themen und Arbeitsweisen zu finden.

Deine Designs sind sehr fantasievoll, was inspiriert dich, wenn du entwirfst?

Ich möchte immer Geschichten erzählen und versuche meistens verschiedene Dinge zusammenzubringen, um etwas Neues zu schaffen. Literatur inspiriert mich dabei oft, aber auch Künstler oder gesellschaftliche Themen, die ich versuche in Kleidung zu übersetzten.

Welche Themen sind das?

Für meine letzte Show habe ich die 12 Schritte der An- onymen Alkoholiker in zwölf Outfits übersetzt und diese mit Zitaten aus Büchern präsentiert, die Themen von Sucht und Erlösung behandeln. Dass die Models im Kreis liefen und der

erste sowie der zwölfte Look vom selben Model getragen wur- den, stand symbolisch für den Prozess der Heilung, der nicht linear verläuft.

Wieso hast du deine Show nicht wie andere Designer*in- nen während der Berlin Fashion Week stattfinden lassen? Ich wollte das Thema von der Schnelllebigkeit und Lautstärke der Fashion Week trennen und die Show stattdes-

sen parallel zur Berlin Art Week zeigen.

Wie soll deine Brand wahrgenommen werden?

Mir ist es wichtig, dass man in jedem Kleidungsstück etwas lesen kann. Trotzdem sollen sie nicht nur modisch, sondern auch tragbar, beständig und schützend sein, damit sie nachhaltig und zeitlos getragen werden können. Die Themen, die ich mit meiner Mode behandle, wechseln, aber die klaren Linien und Kontraste und die existenzialistische Selbstironie bleiben wiederkehrende Elemente.

Hat sich von deiner ersten bis zu deiner letzten Kollektion etwas verändert?

Meine erste Show hat sich mit dem Spiel der Gegensätze von Spitze und Leder, weiblich und männlich und dem not- wendigen Kombinieren der beiden beschäftigt. Das ist so eine Art Leitgedanke geblieben. Die darauf folgenden Kollektionen sind Exkursionen in Geschichten, die ich erzählen möchte. Die Schnitte und Materialien sind detaillierter und langlebiger geworden.

Deine Kollektionen sind immer wieder überraschend, neu und aufregend umgesetzt. Wie kommst du auf diese Ideen?

Neben zu viel Screentime lese ich sehr gerne. Beides bringt mich immer wieder zu neuen Themen. Die Gedanken, die dabei entstehen, versuche ich durch Mode auszuformulie- ren. Meine „Desert Dreams”-Show in Los Angeles war zum Beispiel eine Karikatur auf die idealisierte kollektive deutsche Wahrnehmung des Wilden Westens, die ich mit Kleidung hinterfragen wollte.