HADERLUMP

Ein Report mit Zitaten von Haderlumps Kreativdirektor, Johann Ehrhardt, über die Haderlump SS25 Kollektion und das Set im Flughafen Tempelhof.

Aus dem Atelier schallt in voller Lautstärke „Tear You Apart“ von She Wants Revenge, während auf den Straßen Neuköllns die abendliche Rushhour lärmt. Das Haderlump-Atelier liegt auf dem Gelände einer Kompressoren- und Pumpenfabrik. Hier lässt der Feierabend noch auf sich warten — Nähmaschinen rattern, Tastaturen klackern und Stoffe werden um Mannequins drapiert. Johann Ehrhardt ist 29 Jahre alt, gelernter Kellner und lebt seit elf Jahren in Berlin-Friedrichshain. Nach der Lehre entdeckte er seine Liebe zum Nähen und zur Mode. An freien Tagen nähte er schon mal 14 Stunden durch. Da war es nur konsequent, noch eine Ausbildung zum Modedesigner dranzuhängen. Mit der Zeit entstand aus dieser Leidenschaft Haderlump. Egal ob im Markennamen, den Schnitten oder der Ästhetik — Haderlump weist jede Menge Referenzen zur Geschichte und Tradition der Mode auf. 

„Der Stellenwert des Ateliers ist in der Mode verloren gegangen. Auch wenn die großen Luxushäuser in Paris gern damit kommunizieren“

-Johann Ehrhardt

 Es ist kein Geheimnis, dass viele Designende den technischen Fortschritt für sich nutzen. Ihre Zeichnungen und Schnittmuster fertigen sie am iPad und schicken sie dann direkt weiter an ihre Produzent*innen. Mit einer Nähmaschine kommen sie nie in Kontakt. Johann Ehrhardt hat sich mit Haderlump für den traditionellen Weg, den des Handwerks, entschieden. Das spiegelt sich auch in seinem Designprozess wider. In der neuen Kollektion, die er im Juli auf der Fashion Week zeigt, erzählt er eine Geschichte aus den 1920er-Jahren. Aus persönlichem Interesse recherchierte Ehrhardt zur Thematik des Fliegens. Schnell wurde er auf einen Namen aufmerksam – Amelia Earhart. Sie wurde zur Muse seiner Kollektion.

„Earhart, Ehrhardt — wir teilen denselben Nachnamen, mit unterschiedlichen Schreibweisen.“ 

-Johann Ehrhardt

Amelia Earhart war die erste Frau, die einen Transatlantikflug von Amerika nach Europa als Pilotin antrat. Earhart versuchte zweimal entlang des Äquators  die Welt zu umrunden und führte eine offene Ehe, was zu dieser Zeit mit Missgunst betrachtet wurde. In der Kollektion thematisiert das Haderlump-Team den Pioniergeist des Fliegens, aber auch die heutigen Probleme der Fliegerei, wie die fehlende Nachhaltigkeit. Die dreißig Looks werden im passenden Ambiente des Hangars 6 auf dem Flughafen Tempelhof vor rund tausend Gäst*innen präsentiert. Auch wenn die Modewelt immer wieder über das “veraltete“ Konzept der Runway-Show debattiert, Johann Ehrhardt legt viel Wert auf diese Form der Modeinszenierung. 

„Viele Designer*innen arbeiten mit simplen Setdesigns oder zeigen ihre Mode in sterilen Locations — für mich ist es wichtig, eine ganze Welt um meine Entwürfe herum zu kreieren.“ 

-Johann Ehrhardt

Neben der Kollektion für die Modenschau gibt es eine „Essentials“-Linie mit einfacheren Modellen wie Hoodies oder Sweatshirts. Auf Anfrage fertigt das Team Einzelstücke an. Musiker*innen wie Luciano und Zoe Wees wurden bereits von Haderlump eingekleidet, hinzukommen einige Privatkund*innen, die in ein maßgeschneidertes Kleidungsstück investiert haben. Während viele große Modehäuser ihre Prêt-à-Porter-Kollektionen als wirtschaftliches Standbein etabliert haben, sind es bei Haderlump die Maßanfertigungen, die sie finanziell absichern. 

Das Haderlump-Team hat auch schon darüber diskutiert, eine Saison auszusetzen. Für das junge Label ist es ein großer Kraftakt, die Show auf die Beine zu stellen: Sponsoring, Location-Suche, Musik, Versicherungen, das ist mit kleinen Strukturen schwer zu stemmen. Aber im Moment ist die Modenschau für Johann Ehrhardt nicht verhandelbar – sie ist Teil seiner Kreativität. 

„Unser Rhythmus ist wie folgt: Drei Monate Vorbereitung auf den Laufsteg, drei Monate Maßanfertigung und das zwei Mal im Jahr.“ 

-Johann Ehrhardt