Ist noch jemand da?
EDITORIAL

JA WIR SIND`S!
xoxo eure Atzen aus dem 3.Semester Fashion Journalism an der AMD
Hallo? Sitzen alle schon vor ihrem Bildschirm? Sind wir überhaupt noch relevant? Eine Frage, die in der Modewelt nicht zum ersten Mal aufkommt. Egal ob es um Modehäuser oder Celebrities geht, für sie alle ist diese Frage so allgegenwärtig wie ein Schwert, das über dem eigenen Kopf schwebt. Und ja, auch Magazine sehen sich seit einigen Jahren mit ihrem Niedergang konfrontiert. Egal wie sehr wir uns nach jener Zeit sehnen, in der Carrie sich lieber die Vogue statt Abendessen kaufte: Sie ist vorbei. Sinkende Auflage, Verlust von Werbeanzeigen und schrumpfende Redaktionen sind mittlerweile Alltag. Aber warum kreieren wir dann mit viel Liebe und Mühe dieses Magazin? Klammern wir uns nur an ein aussterbendes Medium, das bei den meisten von euch im Regal einstauben wird?
Die ein oder anderen Leserinnen stimmen mir jetzt zu. Bei ihnen wird das Magazin tatsächlich nach dem ersten Durchblättern als Coffee-Table-Book verwendet oder als eines von Vielen im Stapel alter Zeitschriften verschwinden. Ich selbst würde lügen, wenn ich sage, dass ich dies noch nicht mit ästhetisch ansprechenden, aber inhaltlich eher weniger interessanten Magazinen getan hätte. Man schaue nur auf den Haufen alter und neuer Vogues mit Ikonen wie Naomi Campbell und Timothée Chalamet auf dem Cover, der neben meinem Sofa vergammelt. Das passiert, wenn ein Magazin hauptsächlich von den Trendfarben der neuen Saison oder dem perfekten Pullover für den Herbst berichtet. Schließlich möchte niemand mehr darüber lesen, wenn es bereits haufenweise Influencerinnen gibt, die unsere ForYou-Page mit Fashion Tipps und Tricks fluten. Ich finde: Ein modernes Fashionmagazin muss ein modernes Anliegen thematisieren – Themen, die uns wirklich wichtig sind. So wie Josephine, die sich für dieses Magazin mit ihrem eigenen Konsum und ihren Privilegien auseinandersetzte. Oder Darya, die angesichts des aktuellen „Slavic-Girl“-Trends über ihre eigene Beziehung zu Pelzen nachdenkt.
Aber es gibt doch auch Fashion-Influencerinnen, die Wichtiges aus der Modewelt teilen und dabei alle mit kurzen und knackigen Informationen versorgen? Genau deshalb sehen wir es als angehende Modejournalistinnen gar nicht als unsere Aufgabe mit Fashion-Influencerinnen zu konkurrieren. Vielmehr ist es unsere Mission, einen tieferen Einblick in den Status Quo der Fashion Welt zu geben. Wir möchten ein Magazin kreieren, das die überfordernde Menge an Informationen online ergänzt – nicht ersetzt. Ein Magazin, das in Ruhe auf dem Sofa gelesen werden kann und über dessen Texte man (hoffentlich) nachdenken kann. Schließlich ist auch die Erfahrung ein Magazin in den Händen zu halten, die glänzenden Seiten umzuschlagen und all unsere gut überdachten Entscheidungen von den Bildern bis hin zu den Schriftarten zu betrachten eine ganz andere als im Internet. Unser Magazin soll ein Portal sein, das den Leserinnen Einblick in die Gedankenwelt seiner Erschafferinnen gewährt. Jede Seite, jeder Satz und jedes Bild beinhalten eine Vielzahl von Entscheidungen, die wir bewusst oder unbewusst getroffen haben. Auch die Themen sollen nicht nur der jetzigen Zeit auf den Zahn fühlen, sondern unsere Gedanken und Gefühle widerspiegeln. Was beschäftigt Modestudentinnen, junge Personen, die sich in einer konsumgesteuerten (Mode-) Welt wiederfinden und zukünftige Modejournalist*innen, die sich fragen müssen, ob Magazine überhaupt noch von Relevanz sind? Hotline ist ein Versuch all dies zu vereinen. Zu zeigen, was uns stört und was wir lieben und dabei hoffentlich Gleichgesinnte zu inspirieren.
Die logische Schlussfolgerung muss also lauten: Ja, Modemagazine sind noch relevant! Solange wir nicht mit dem scheinbar endlosen Zugang an Informationen und Bildern im Internet mithalten wollen. Unser Ziel soll es sein, etwas Langanhaltendes und Wertvolles in einer vermehrt digitalen und schnelllebigen Welt zu schaffen. Genau das haben wir mit Hotline versucht. Die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Fashion und Gesellschaftskritik, Fortschritt und Entschleunigung zu bauen. Seid ihr noch da? Wenn ja, dann legt beim Lesen das Handy weg und blättert mit einer Tasse Tee dieses brandaktuelle, noch lange nicht veraltete Kommunikationsmittel durch. Viel Spaß!
