Märchen aus dunklen Stoffen
MARISPYPER
versucht sich zwischen Großstadtleben und zwei Jobs einen Namen als Designerin zu machen.
– Text von Selin Can
In Marispypers Welt existieren Wälder mit kleinen Gewässern, aus denen Nebel aufzieht. Er wabert zwischen den Bäumen und blockiert die Sicht in die Tiefe des Waldes – fast wie im Märchen „Dornröschen“. Dieses Gefühl setzt bei Marisa Schneider die Stimmung für ihre Arbeiten. Die 29 Jahre alte Designerin liebt die Romantisierung einer dunklen Welt und die der Vergangenheit.
Trotzdem – wenn sie entscheiden müsste, sie würde die Zukunft wählen: „Wir sollten in der Zukunft leben, nicht in der Vergangenheit.“
Sie braucht nur drei Worte, um ihre Mode zu beschreiben: feminin, verspielt und sensual. Sie macht eine kurze Pause: „Obwohl wir auch sexy sind.“ Dabei möchte sie kein Geschlecht aus- grenzen. Ihre Kollektion ist zwar geschlechtslos gehalten, das bedeutet aber nicht, dass sie vollkommen geschlechtsneutral ist, wie die Materialien und Schnitte – wie Spitze und Korsetts, die eher feminin konnotiert sind, zeigen. Dennoch schafft sie es diese Geschlechtsneutralität mit Leichtigkeit auf den sozialen Plattformen zu präsentieren. So sieht man in den früheren Postings zwei männliche Models in grellen grünen Spitzen-Crop-Tops posieren.
Einen großen Teil ihrer Materialien bekommt sie von einer Plattform, die Reststoffe alter Kollektionen von anderen Designer*innen verkauft. Damit arbeitet sie am liebsten, um nachhaltig produzieren zu können.
Ihr Designprozess beginnt oft mit der Auswahl eines Farbspektrums, bei der die Grundfarben immer Schwarz, Weiß und Erdtöne von Marisa auch „Earthies“ genannt, sind. Mit diesen Farben der Natur kann sie die von ihr begehrte Dunkelheit immer wieder neu interpretieren.
In jeder Kollektion gibt es eine Farbe, die heraussticht. In der Vergangenheit war das schon erwähnte grelle Grün, das Marisa für gerüschten Spitzentops verwendete. Muster zu entwerfen und Stoffe zu färben sind ihre Lieblingsbe- schäftigungen. Für Letzteres nutzt sie immer einen Mesh-Stoff, der aktuell in einem satten Rot strahlt. Daraus kreiert sie ein Set, bestehend aus langer Hose, einem Shirt und Handschuhen, die bis zum Ellenbogen reichen. Vor kurzem war das Model Stefanie Giesinger darin zu sehen. An einem figurbetonten, trägerlosen Maxikleid kann man ihre liebste Technik, das Shearing, am besten erkennen. Es ist eine Art Smokstickerei, bei dem der Unterfaden elastisch ist und beim Nähen die Naht zusammengezogen wird, wodurch ein unregelmäßiges Rüschenmuster entsteht. Diese Technik findet sich in jedem zweiten Design von Marispyper.

Foto: Jana Lange
Gegründet hat Marisa Schneider ihr Label 2021 mit einer Partnerin, heute arbeitet sie allein. Sie gestaltete das Logo um und jetzt sind ihre eigenen Ideen, das, was die junge Marke ausmacht. Sie ist sehr froh über die Unterstützung von Familie und Freunden in Sachen Buchhaltung und Website, ohne die sie es als Ein-Frau-Unternehmen nicht schaffen würde.
Auch wenn es in Berlin einfacher ist ein Modelabel zu gründen als in Modemetropolen wie Paris oder Mailand, kann auch sie nicht davon leben. Die Dresdnerin spricht offen über ihren Zweitjob.
Um an ihrer Kollektion zu arbeiten, hat sie sich außerhalb des Berlin-Mitte-Trubels mit ihrem 40 Quadratmeter kleinen Atelier in Alt-Hohenschönhausen einen eigenen kleinen Safe Space geschaffen, der genauso wie ihre Persönlichkeit eine große Ruhe ausstrahlt und in dem sie komplett abschalten kann.
Für die Zukunft erhofft sie sich, dass kleine Berliner Designer*innen mehr gefördert werden und vielleicht neben der Unterstützung für
eine Modenschau, weitere Möglichkeiten geboten werden, die es dem kreativen Nachwuchs erleichtern, sich in der Modewelt zu etablieren. Marispyper verkauft ihre Mode schon in der Platte am Alexanderplatz und einem kleinen Laden in Japan, träumt aber von einem eigenen kleinen Pop-Up Store in Berlin, um ihr Märchen sichtbar werden zu lassen.
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