Mein Persönlicher Stil
Text & Bild: Juliana Smaga

Mein Stil früher
Früher hatte ich das Bedürfnis, durch meine Kleidung aufzufallen, besonders durch dieses hier:
Ich erinnere mich noch an ein Outfit von mir, das ich damals so toll und ausgefallen fand. Darin würde man mich heute nicht mehr sehen. Es bestand aus einem tiefsitzendem Maxirock, die Farbe des Rockes war dunkelgrün und er war mit einem Karo Muster übersehen mit Lila und pinken Streifen. Dazu trug ich ein Top mit Spaghetti Trägern in Korsett Optik. An sich war das Top Schwarz und mit Nadelstreifen übersehen außer dir Brustpartie, die Bestand aus knall Pinken Tüll. Es blieb aber nicht nur dabei, ich hatte noch schwarze Moon Boots mit einem schwarzem Schaft und Lack Applikationen, die damals perfekt dazu passten. Das würde ich so heute nie wieder tragen.
Heute weiß ich: Der persönliche Stil eines Menschen spiegelt nicht nur das äußere Erscheinungsbild wider, sondern auch die persönliche Entwicklung, die er oder sie durchlebt hat. Diese inneren Prozesse bleiben von außen jedoch meistens unsichtbar.
Unser Einfluss auf unser Aussehen beginnt schon in der Kindheit. Egal ob Junge oder Mädchen, die Eltern bestimmen oft, was man trägt und in welcher Farbe. Doch irgendwann werden wir älter und fangen an, das zu tragen, was uns gefällt.
Das kann ich an meinem Beispiel erzählen
Von klein auf war ich immer das brave Mädchen, das alles machte, worum meine Eltern es baten. Irgendwann kam jedoch der Zeitpunkt, an dem ich genug davon hatte. Meine „rebellische“ Phase begann – mit Mode. Ich habe mich schon immer für Mode interessiert, aber erst ab einem bestimmten Alter konnte ich das ausleben. Ich bin aufgrund meines Stotterns schon immer eine eher ruhige Person gewesen bin, hatte ich das Bedürfnis, auf eine andere Weise aufzufallen. So begann ich, mich modisch auszudrücken – damals jedoch völlig anders als heute.
Es war fast so, als wollte ich mit auffälligen und bunten Outfits eine andere Person sein. Heute trage ich kaum noch Farbe, und mein Stil hat sich komplett gewandelt. Damals jedoch hatte ich das Gefühl, dass mein Outfit unbedingt das Extravaganteste sein musste. Ich dachte, ich müsste aus der Masse herausstechen und allen zeigen, wie gut ich mich mit Mode auskenne. Aber es war nicht nur das: Selbst wenn ich ein schlichtes Basic-Outfit trug, verunsicherte mich das. Ich hatte Angst, dass die Leute mich dann für langweilig halten oder mich nicht ernst nehmen würden, wenn ich sagte, dass ich mich mit Mode auskenne. Insgeheim fürchtete ich, sie würden sich über mich lustig machen.
Doch heute – und eigentlich schon seit einiger Zeit – hat sich das alles verändert. Wie? Das kam mit der Zeit. Irgendwann begann ich, mich intensiv mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich habe angefangen, mein Verhalten zu reflektieren und mich zu verändern. Der Wendepunkt kam, als ich lernte, mich selbst als Mensch zu akzeptieren und zu lieben. All die schlimmen Dinge, die mir im Laufe der Jahre passiert sind, habe ich nicht mehr verdrängt, sondern akzeptiert. Irgendwann wollte ich diese Dinge gar nicht mehr ändern.
Ich habe erkannt, dass ich nur durch meine Erfahrungen der Mensch bin, der ich heute bin – und ich würde nichts daran ändern wollen. Diese Einsicht veränderte auch meinen Umgang mit Mode. Ich merkte, dass ich nicht durch meine Outfits herausstechen muss, sondern dass es nur wichtig ist, dass sie mir gefallen und ich mich darin wohlfühle. Selbst wenn jemand zu mir sagen würde, mein Outfit sei langweilig – na und? Für mich spielt das keine Rolle mehr.
Heute kann ich mir eingestehen, dass ich eine ruhige Person bin, und das spiegelt sich auch in meiner Kleidung wider. Ich trage ruhige, oft schlichte Outfits wie ein weißes T-Shirt und eine Jeans. Ich beschreibe meinen Stil als minimalistisch, schick und mit einer Prise Vintage. Und ich liebe es. Es passt einfach so gut zu mir, und mittlerweile kennt mich jeder genau so.
Ich bin eine ruhige, ausgeglichene und selbstbewusste Frau – und ich habe das Gefühl, endlich die Frau zu sein, die ich schon immer sein wollte. Ich habe sie endlich gefunden.
Everything happens for a reason. Even if you don’t know what it is yet.
-Charlotte York

Mein Stil heute
