What a waste of an outfit!

Faye Montana & Anne-Sophie Briest

“My ultimate inspiration comes from my best friend, the dazzling woman from whom I received my name and my life’s blood, Lorelai Gilmore. My mother never gave me any idea that I couldn’t do whatever I wanted to do or be whomever I wanted to be.” – Rory Gilmore

Faye Montana (links) mit ihrer Mutter Anne-Sophie Briest (rechts).

Und in manchen Fällen ist, wer man sein will, vielleicht sogar die eigene Mutter. Denn wie Rory aus der Hit-Serie Gilmore Girls es perfekt beschreibt: Heutzutage sind Mutter und beste Freundin oft nicht auseinanderzuhalten. Aber da groß werden auch bedeutet, sich eigenständig zu entwickeln und seine individuelle Persönlichkeit zu finden, muss man ja nicht gleich seine Mutter werden. Sich wie sie anzuziehen reicht völlig.
Genau zu dieser Thematik erzählen uns Schauspielerin Anne-Sophie Briest und ihre Tochter Faye Montana, Influencerin und Musikerin, mehr.

Faye Montana: Ich würde sagen, dass unsere Beziehung eine sehr besondere, sehr enge ist. Ich habe zwei große Brüder, aber in meinem Kopf waren wir irgendwie immer zu zweit. Was Fashion angeht, gab es bei uns noch nie ein Tabu! Ich frage meine Mama noch heute nach Fashion Advice und ich leihe mir von ihr immer Sachen aus, auch wenn sie sich aufregt. Außerdem haben wir die gleichen Salomons, die in All Black.
Anne-Sophie Briest: Die hat sie mir nachgekauft!
Faye: Das mache ich oft. Sie trägt auch manchmal meine Sachen. Es ist wie bei zwei Schwestern, die zusammenleben und sich die Sachen aus dem Schrank klauen. Ich glaube, das wird sich nie ändern.
Anne-Sophie: Was man auch nicht vergessen darf, ist: Als du kleiner warst, habe ich dir immer die Sachen rausgelegt. Ich gehöre nicht zu der Fraktion Mütter “Pippi Langstrumpf, zieh an, was du willst”, auch wenn es minus dreißig Grad sind. Es war dann eher hart, sie dazu zu erziehen, es selber zu tun.

Faye: Ich war sehr zufrieden! Ich habs’ gefeiert, bis zu dem Punkt, als ich meinen eigenen Style entwickelt habe. Aber als Kind waren die Sachen toll!
Anne-Sophie: Ich war nie die Mutter, die so einen kindlichen Stil hatte. Dieses Blümchen-Leggins mit einem Rock darüber und Gummistiefeln finde ich ganz schlimm. Ich habe eher diesen Erwachsenen-Style. Bei mir war nicht alles superbunt, sonder Ton in Ton. Ab der Schule war es dann der Style aus der Zara Kinderabteilung: Schwarz, Grau, Weiß.

Anne-Sophie: Manchmal ist mir total egal, was ich anhabe. Das merke ich aber meistens erst bei Veranstaltungen und wenn ich Fotos davon sehe. Da bin ich etwas nachlässiger geworden, im Gegensatz zu früher. Ansonsten bestimmt die Gestaltung meines Tages eher, was ich anhabe und worauf ich Lust habe. Aber bei Faye ist es ja auch der Ausdruck ihres Gesamtkunstwerks.
Faye: Mode ist für mich fast wie eine Sprache, eine Kommunikation auf anderer Ebene. Wenn du in einen Raum kommst und dir die Menschen anschaust, was sie so anhaben, sagt das viel über sie aus. Und auch meine Musik ist eng mit visuellen Dingen verbunden. Alle Outfits, die ich trage und wie mein Styling so ist, ist abgestimmt auf meine Kunst.

Faye: Es gibt drei Sachen, die ich von meiner Mama klaue. Ein rotes, Off-Shoulder Shirt von ihr, ihre schwarze Vintage Prada Jacke, die ist half Knit und half Nylon und dann klaue ich noch ihre Schlafanzughosen, weil ich Schlafanzüge liebe!
Anne-Sophie: Die Prada-Jacke ist eine Bomberjacke, die habe ich secondhand gekauft.
Faye: Da streiten wir uns drum. Aber ich frage immer!

Anne-Sophie: Ich glaube tatsächlich, dass es eine Frage der Generation ist. Ich hatte vor ein paar Jahren mal ein Gespräch mit Fayes Schuldirektor darüber, der meinte, es wäre auch ein Problem, dass die Generationen so fließend sind, weil dann so wenig Revolutionäres in der Entwicklung passiert. Durch Abgrenzung entsteht halt eben mehr Neues. Und heute sind die Generationen von 20-50 komplett fließend, das ist komplett eins. Deswegen ist es auch einfacher, Klamotten heutzutage zu teilen. Früher war das mal ein Gürtel, heute sieht man, dass in Fayes und meinem Kleiderschrank viel Gleiches drin ist.
Faye: Ich glaube, das ist eher eine Einstellungssache. Als Kind will man sich abgrenzen und selber finden, und wenn man erwachsener wird, akzeptiert man seine Eltern meistens so, wie sie sind. Man sieht sie nicht mehr als autoritäre Personen, sondern als Inspiration. Ich sehe meine Mama nicht mehr nur als Mama, sondern auch als Freundin und von Freunden leiht man sich ja auch Klamotten aus.
Anne-Sophie: Meine Generation als Eltern ist auch viel reflektiver, zugewandter und kommunikativer als meine Eltern. Früher haben Erwachsene geredet und die Kinder haben weder mitbekommen, was beredet wurde, noch hatte es sie zu interessieren. Die Bindungen von Eltern und Kindern sind ganz anders geworden.

Faye: Es gibt manchmal so Tage und Outfits, die ich von meiner Mama sehr mag! Ich liebe es, wenn sie Business Casual trägt. Aber ich glaube, unsere Styles haben sich schon sehr auseinandergelebt. Ich war eine Zeit lang in diesem y2k-Film und jetzt ist es bei mir eine Mischung aus Distressed, High Fashion und Funky Colours. Und ganz viel Schmuck, ich liebe Schmuck! Ich bin eher ein Silber Schmuck-Girl und meine Mama mag Gold lieber. Sie liebt auch bunten Schmuck. Sie ist sowieso sehr bunt – ich gehe da eher in die andere Richtung.
Anne-Sophie: Ja, im Sommer, im Winter trage ich nur Schwarz und Grau. Von Oktober bis April ist alles dunkel, außer Ohrringe. Und im Sommer denke ich mir dann: Wie konnte ich in so dunklen Farben rumlaufen?
Faye: Ich liebe Street-Style, ich bin ein bisschen Grungy unterwegs. Maxi skirts mag ich zwar, aber lieber mit einer Hose drunter. Ich bin schon immer mehr auf der maskulinen Seite mit meinem Style.

Faye: Ich mag an ihr Military-Einteiler.
Anne-Sophie: Ich habe einen von Closed. Vintage und dunkelblau!
Faye: Und auch früher, als sie jünger war: Mini Heels mit Mini Dresses. Das war eine ganz tolle Ära von ihr, die würde ich gerne zurückhaben! Und die Basketball-Trikots, die du zum Schlafen anziehst!
Anne-Sophie: Ich mag deine Outfits, die du für Events anziehst. Die Sachen sind immer sehr gut ausgesucht, sehen aber nicht danach aus. Du wirkst nicht verkleidet. Du machst zwar Trends mit oder kreierst sie, aber bist immer noch du.
Faye: Bei mir muss halt jeden Tag was anderes ran, besonders bei Events. Ich kann niemals dieselben Kombis anziehen. Ich habe diesen Druck nicht im gleichen Outfit gesehen zu werden.
Anne-Sophie: Bei uns gibt’s so einen Insider, der heißt: “What a waste of an outfit”. Wenn du irgendwo warst und du wurdest nicht abfotografiert oder es war so ein doofer Abend, dass es zu schade war für dieses Outfit, dann war das Outfit quasi “verschwendet”.

Anne-Sophie: Die Diskussion hatten wir nie, weil sie auf einer sehr konservativen Schule war. Es ist nicht unbedingt, was du lernst, sondern mit wem du es lernst. Durch die Bilingualität dort von Deutsch und Amerikanisch war das Deutsche eher das Offene und das Amerikanische das Konservative. Das war genau der richtige Mix. Dadurch waren auch keine falschen Vorbilder oder Freunde in der Schule.

Faye: Ich hatte Phasen, in denen ich mich angezogen habe wie die Person, mit der ich zusammen war. Das war gar nicht gut. Als ich mit meinem zweiten Freund zusammen war, war das eine Katastrophe. Meine kleine Cousine und ich nennen die Pullis von damals immer die “Name des Exfreunds-Zeit”. Ich bereue das so doll.
Anne-Sophie: Ich war auf der Uni in München und die Mädels da, – ich liebe sie alle -, aber sie waren schon sehr Klischee. Perlen-Paulas mit Mini Cooper. Und seitdem ich da aufgetaucht bin, tragen die alle “Worst Behavior” und den “Berlin Style”. Man beeinflusst sein Umfeld immer mit den Sachen, die man trägt oder wird selber beeinflusst.

Anne-Sophie: Was ich liebe, sind graue Kaschmirpullover. Und dann hab ich noch zwei Shorts, die ich locker seit zehn Jahren habe; von 7 jeans, Distressed Hotpants. Einmal in Weiß und einmal in Blau. Die zieh ich an, auch wenn ich tausend andere hochwertigere Hosen einpacke.
Faye: Ich habe letztens eine Vintage Diesel Jacke gethrifted. Und damit kann man echt jedes Outfit aufwerten. Die hat Fellarme, Nieten und sieht ein bisschen Ritter-mäßig aus. Und Schuhe, die eigentlich von Mama sind. Ich ziehe sie immer an, wenn ich ausgehe und größer aussehen will. Das sind Isabel Marants mit Klettverschluss! Und meine Adidas-Hose mit lila Streifen! Megageil!

Faye: Ja, ich habe ein neues Statement Piece, das in alle meine Outfits eingebaut wird! Die wurde extra für mich gemacht: eine Kette aus Charms, die immer auf die eigene Person abgestimmt ist und quasi deren Geschichte erzählt. Bei mir ist New York dran und Sterne, alle Sachen, die mir so gefallen. Das ist meine Faye-Kette. Und ich habe auch noch einen Custom Crystal Ring, den ich auch sehr liebe!
Anne-Sophie: Ja, und ich habe gerade so neue Ohrringe für mich entdeckt. Die sind Gold und bunt von RIO. Ich ziehe die sehr gerne an, die habe ich in Pink und in Grün.
Faye: Ah und meine tooth gems! Die sind auch ein tolles Accessoire!

Faye: Es gibt eine Story! Ich gehe jedes Jahr zu der Spendengale “ein Herz für Kinder” und habe da auch schon moderiert und für die gearbeitet. Als ich neun Jahre alt war, wurden Mama und mir dafür Kleider geschneidert. Twin Dresses. Wir hatten beide n einem Fuchsia-Ton ein total süßes Kleid an. Und sind dann zusammen komplett gleich gestylt auf diese Veranstaltung gegangen.
Anne-Sophie: Das Kleid habe ich auch extra aufgehoben. Beide Kleider. Faye kann die später mal haben, wenn sie eine Tochter hat. Dann kann sie das größere Kleid anziehen und ihre Tochter das kleinere.
Faye: Da freue ich mich drauf!